Der Dodo. Eine Geschichte vom Tod.

„As dead as a dodo“ – toter als tot, heisst es bei den Engländern. Denn den Dodo gibt es schon lange nicht mehr. Kurz nach seiner Entdeckung war er schon ausgerottet.

 

Lange überlebte er seine Erstbegegnung mit der menschlichen Spezies nicht, der Dodo. Eingeschleppte Tiere wie Ratten, Schweine und Affen frassen die Eier der bodenbrütenden Vögel. Seeleute fingen und assen dann die erwachsenen Tiere. Dodos konnten nicht fliegen und verfügten auch sonst über keinerlei Verteidigungsstrategien. Da es vorher keine Menschen auf Mauritius gegeben hatte, dem einzigen Ort auf diesem Planeten, wo es Dodos gab, war der Vogel auch noch entsprechend naiv und zutraulich. 

 

Flugunfähiger Tollpatsch

Seit wann es Dodos auf Mauritius gegeben hatte, lässt sich heute nicht mehr eruieren. Als wahrscheinlich gilt, dass irgendein Vorfahr des Dodo die Insel fliegend erreichte, dann allerdings irgendwann seine Flugfähigkeit einbüsste, da es auf der Insel Nahrung im Überfluss und keine natürlichen Feinde gab. Fakt ist, dass es ein echtes Pech für den Dodo war, dass die Portugiesen irgendwann zwischen 1505 und 1510 Mauritius entdeckten. Ab da diente er als zähes Suppenhuhn. Das Fleisch galt als „nicht sehr wohlschmeckend“ und war erst nach längerem Kochen überhaupt essbar. Auch machten sich die Seeleute einen Spass daraus, den etwas tollpatschigen Vogel durch die Gegend zu scheuchen und zu erschlagen. Ein Dodo (ein Lebendiger) wurde zuletzt um 1660 gesichtet. Seit 1690 gilt er offiziell als ausgestorben. Seinen nächsten Verwandten, den Rodrigues Solitär, ereilte dasselbe Schicksal etwa Mitte des 18. Jahrhunderts. Erobern ist offenbar nicht nachhaltig…

 

Heute lebendig als Rekonstruktion

Der Dodo gehört, wie der Rodrigues Solitär zu den Taubenvögeln. Allerdings war er deutlich grösser, als die Tauben, die man hierzulande so kennt, etwa so gross wie eine Gans. 

Unsterblich gemacht hat den Dodo das Buch „Alice im Wunderland“. Vielleicht ist dieses Buch ja dafür verantwortlich, dass gerade in England ein grosses Interesse an der Geschichte der Dodos besteht. Und natürlich die Tatsache, dass die Engländer aus fremden Ländern gerne mal alles mitnehmen, was ihnen brauchbar erscheint: Zahlreiche Skelette und Rekonstruktionen von Dodos finden sich im Museum of Natural History in London. Das vollständigste Skelett, das je gefunden wurde, ist allerdings im Natural Science Museum in Durban ausgestellt. DNA Analysen der Skelette haben ergeben, dass der Dodo eine noch heute lebende Verwandte hat: die Kragentaube. Diese nistet schlauerweise hoch oben in Bäumen.

 

Fit oder fett?

„Wir wissen mehr über Dinosaurier als über Dodos“, begründet der Vogelkundler und Paläontologe Julian Hume vom Museum of Natural History, London, seine Bemühungen, dem ausgestorbenen Vogel sein richtiges Aussehen zurückzugeben. In alten Zeiten wurde der Dodo nämlich gerne als tuntig befiederter Fettkloss dargestellt. Die ersten Seeleute, die einen Dodo zu Gesicht bekommen hatten, beschrieben ihn aber als schlank und athletisch. Dazu passt auch eben die Sache mit dem zähen Fleisch. Mit Hilfe der gefundenen Skelette versucht Hume nun, das Aussehen des Dodos möglichst genau zu rekonstruieren. 

 

Vegetarisch und wichtig

Mit dem Dodo verschwanden auch andere Arten von Mauritius. Ein Mistkäfer zum Beispiel, der sich vom… naja… eben Mist des vegetarisch lebenden Dodos ernährte. Und der Kalvarienbaum, dessen Samen erst nach der Passage durch den Dododarm keimen konnte, war lange vom Aussterben bedroht. Irgendwann kam aber jemand auf die superkalifragillistischexplallegorischgeniale Idee, die Nüsse des Baumes mit einem Hammer zu öffnen. Es braucht offenbar mehr Hirn, etwas zu erhalten, als etwas zu zerstören… 

 

Heute gilt Mauritius als „Insel der Vegetarier“. Und hat den Dodo im Wappen. Nicht, dass der Dodo noch was davon hätte.