Kraken. Weiche Schale, schlauer Kern.

Sie haben kein Rückgrat, sind äusserst flexibel und bleiben dabei doch immer sie selbst: die Kraken. Artenreich sind sie, dazu teilweise mit zutiefst menschlichen Eigenschaften behaftet. Und in Sachen Fussball bewanderter als so mancher Super-Trainer. 

 

Dem kleinen Tod folgt der Grosse auf dem Fuss: Kurz nach dem Koitus ist das Leben der Kraken vorbei. Bevor sich aber die Sektierer dieser Welt bestätigt fühlen – Kraken werden ohnehin nicht sehr alt, vermehren sich nur einmal im Leben, und wenn sie dann irgendwann den richtigen Partner gefunden haben, ist mitunter schon ein Grossteil ihrer knapp bemessenen Lebenszeit vorbei. 

 

Unbefleckte Empfängnis

Männliche Kraken haben einen sogenannten Begattungsarm. Diesen Arm stecken die meisten männlichen Kraken bei eben dieser Sache dem Weibchen in ihre Mantelhöhle. Eine andere, sehr interessante, Technik hat dabei eine Krakenart mit der Bezeichnung „Papierboot“ entwickelt: Anstatt bei dem Weibchen vorstellig zu werden und mühsam um ihre Gunst zu werben, schnürt das männliche Papierboot seinen Begattungsarm samt Samenpaket vom Körper ab. Arm und Samen finden dann den Weg in die Mantelhöhle des nichtsahnenden Weibchens ganz von allein. 

 

Mord und Totschlag

Das ist, angesichts des Aufwandes, den andere männliche Kraken betreiben müssen, sehr durchdacht. Die Krakenkollegen des Papierboots müssen nämlich Einiges investieren, bis sie sich mal fortpflanzen (und dann sterben…) dürfen. Rivalen müssen vertrieben, und die Uneinsichtigen unter ihnen erwürgt werden. Dabei benutzen die Männchen Tarnfarben, um anderen Männchen mit machiavellischer Durchtriebenheit vorzugaukeln, Mann sei ein hilfloses Weib. Bei dem hoffnungsfroh herangeschwommenen Rivalen tritt dann Plan B (Tod durch Erwürgen) in Kraft. 

Mit den Weibchen gehen die Männchen etwas zartfühlender um. Sie umwerben sie mit wildem Farbenspiel auf ihrer Haut und sanften Berührungen ihrer acht Arme. 

 

 

Hirn auf Beinen…

Kraken haben kein Skelett. Und ihr Körper ist anscheinend beliebig verformbar. Ausserdem sind sie sehr schlau. Anders ist die spektakuläre Flucht des Kraken „Inky“ aus dem National Aquarium New Zealand im Jahr 2016 nicht zu erklären. Inky schaffte es nämlich, das Gitter über seinem Aquarium anzuheben, die Wand hinunterzugleiten und durch ein Abflussrohr ins Freie zu flüchten. 

Die Behauptung, Kraken hätten neun Gehirne, ist allerdings Humbug. Kraken haben nur ein zentrales Gehirn. Dafür aber drei Herzen: eines für Hirn und Körper und zwei für die Kiemen. 

Bemerkenswert am Nervensystem der Kraken ist das Riesenaxon. Ob seines Durchmessers von einem Millimeter zunächst für ein Blutgefäss gehalten, fanden Wissenschaftler in den 1960ern heraus, dass eben dieses Gefäss eine Nervenleitbahn ist. Die Nervenbahnen der Kraken sind anders aufgebaut als die vom Menschen, und so müssen sie für eine schnelle Reizweiterleitung besonders gross sein. 

 

Kraken, Tintenfisch, Kalmar?

Redet man vom Kraken, ist im Allgemeinen der mit den acht Armen gemeint. Die Grossfamilie, zu der die Kraken gezählt werden, sind die Tintenfische. Zu denen gehören auch die Kalmaren, die aber zehn Arme haben und im offenen Meer leben.

Kraken leben meist auf dem Meeresboden. Für kurze Momente, zum Beispiel für die Jagd, können sie sich auch auf dem Trockenen fortbewegen. Im normalen Leben „laufen“ sie mit ihren Armen über den Meeresboden. Für eine schnelle Flucht benutzen Kraken aber das Rückstossprinzip. Dabei drücken sie das Wasser aus ihrer Mantelhöhle heraus und verschwinden – husch, husch – im Meer. 

 

Und dann noch die Sache mit dem Fussball

Im Sea Life Centre in Oberhausen lebte von 2008 bis 2010 ein Krake namens Paul. Ursprünglich als PR-Gag gedacht, wurde Paul zum „Kraken-Orakel“ erklärt, und sollte als Solches die Spielausgänge der Deutschen Mannschaft voraussagen. Und siehe da: Paul lag immer richtig. Bei der WM 2018 lebte Paul leider schon nicht mehr, sonst wäre die Deutsche Mannschaft vielleicht gar nicht angetreten und hätte uns einige Peinlichkeiten erspart…