Spinnen. Schaurigschönes Faszinosum.

Spinnen sind eine der artenreichsten Familien auf diesem Planeten und werden vollkommen unterschätzt. Viele haben ganz einzigartige Begabungen: die einen haben Augen für vier, die anderen tanzen Ballett und manche können sogar fliegen.

Wochenlang hatte sie oben an der Decke gehockt -  sie bei den zu dieser Zeit herrschenden Minustemperaturen hinauszusetzen, wäre barbarisch gewesen. Und so tauften wir sie Esmeralda und lebten mit unserem Klimaflüchtling fortan in Frieden und Harmonie. Zumindest solange bis Esmeralda spurlos verschwand und Conchita an ihre Stelle trat. Nachfragen bei Conchita, ob sie vielleicht Esmeralda verspeist haben könnte, nur so aus Versehen oder vielleicht doch aus Absicht???! blieben unbeantwortet. Was hätte sie auch sagen sollen? „Aber selbstverständlich, das ist bei uns Spinnen eben so!“ Das wäre ja einem Geständnis gleichgekommen und Conchita wollte offenkundig nicht ihren Aufenthaltsstatus gefährden. 

 

Vom Lieben und Sterben

Dass Spinnen einander fressen, ist nichts wirklich Aussergewöhnliches. Normal ist ebenfalls, dass die Spinnenweibchen die Spinnenmännchen nach der Paarung verspeisen. Gefällt der Mann der Frau nicht, frisst sie ihn sogar noch vor der Paarung auf. Macht er währenddessen zu lange herum, wird er ebenfalls gefressen. Hinterher sowieso. Mancher Wolfsspinnenmann versucht, diesem Schicksal zu entrinnen, indem er sich bei sich bei einem anderen Wolfsspinnenpaar dazu gesellt, als Dritter im Bunde sozusagen. Praktisch dabei ist, dass die Wolfsspinnenfrau ihre Geschlechtsorgane in doppelter Ausführung besitzt, ihre Kinder also zwei biologische Väter haben können. Während Frau also den einen Mann frisst, kann sich der andere klammheimlich davonmachen. 

 

Mutterliebe...

Bei den mitteleuropäischen Röhrenspinnen fressen die frischgeschlüpften Babies ihre Mutter auf. Oder vielmehr stellt sich die Mutter dafür freiwillig zur Verfügung. Sobald die Mutter die Kleinen aus ihrem Eikokon befreit hat, verflüssigt sie ihr Innenleben und die Babies saugen ihr die Organe als Supersmoothie aus dem Kopf. Anschliessend fressen sich die kleinen Biester durch den Bauch der noch lebenden Mutter, denn ihr Herz schlägt bis ganz zum Schluss. Shakespeares Dramen sind dagegen kindertaugliche Gute Nacht Geschichten.

 

Andere Spinnenarten, zu denen auch die Wolfsspinne gehört, tragen ihren Nachwuchs ein paar Tage auf dem Rücken mit sich herum, das klingt irgendwie doch netter als sich bei lebendigem Leibe auffressen zu lassen…

 

Heilendes Gift

Eine der artenreichsten Familien ist die Familie der Springspinnen. Diese lauern ihrer Beute auf, springen sie an, beissen zu und müssen dann nur noch warten, bis sich das Innere des unglückselige Opfer ob des injizierten Spinnengifts auflöst. Spinnengifte werden übrigens in drei verschiedene Kategorien eingeteilt, in die, die neurotoxisch, die, die hämolytisch und die, die proteolytisch wirken. Will heissen, die, die lähmen, die, die das Blut zersetzen und die, die das Innere der Beutetiere auflösen. Klar also, dass die Medizin Spinnengifte für sich entdeckt hat und sie für die verschiedensten Krankheiten einsetzt. 

 

Perfekte Jägerin mit Supersensoren

Während andere Spinnenarten ihre Umgebung hauptsächlich über Vibrationen wahrnehmen, können Springspinnen mit ihren vier Augen sogar bis in den ultravioletten Bereich sehen. Springspinnen haben immerhin vier Sehzelltypen, der Mensch nur zwei.

 

Die kurzsichtigeren Exemplare „sehen“ dafür mit den Haaren an ihren Beinen, ausserdem riechen sie alle sehr gut.

 

Johnny tanzt für Babies

Richtig talentiert ist die Gattung der Pfauenspinnen aus der Familie der Springspinnen. Nicht viel grösser als eine Zecke, sind zumindest die Männchen mit viel Pomp und Federn ausgestattet, um die Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Für ihren Balztanz klappen die Männchen ihre bunt verzierten Hinterteile im 90 Grad Winkel hoch, und stellen die beiden rechts und links vom Hinterteil befindlichen Fächer auf. 

 

Die Weibchen sind nicht so natürlich schön, aber wer zuletzt lacht… Am Ende des Tages ereilt auch den Pfauenspinnenmann sein Schicksal. 

 

Und fliegen können sie auch!

Die Spinnen, die ein Netz haben, produzieren die Fäden in den Spinnwarzen oder Spinnspulen am Hinterleib. Sie bestehen aus Eiweiss und werden in unterschiedlicher Stärke, je nach Verwendungszweck, in den Spinndrüsen hergestellt. Der Faden selbst ist, gemessen an seiner Dicke, viermal belastbarer als Stahl, wasserfest, trotzdem wasseraufnahmefähig und biologisch abbaubar. Und!!!! sie lassen sich sogar als Fluggerät einsetzen! Hat jetzt beispielsweise die Baldachinspinne beschlossen, den amerikanischen Grosscousin zu besuchen, geht sie an eine besonders windexponierte Stelle, trippelt sich in die richtige Position, um dann mit Hilfe von etwa 50 Seidenfäden, die sie aus der Spinnwarze schiesst, in die Luft abzuheben. Stehen die Winde günstig, gelangen Spinnen auf diese Weise sogar bis in den Jetstream. Ganz ungefährlich ist solch eine Reise nicht, aber - no risk, no fun. Die meisten Spinnenflüge enden allerdings nach ein paar Metern oder Kilometern, was soll man auch beim amerikanischen Grosscousin, am Ende schmeckt der auch nicht besser als der Mann von nebenan. Eine Spinnenart kann sogar mit Hilfe eines selbstgewebten Segels an windstillen Tagen los fliegen, dabei macht sie sich die Thermik zunutze. 

 

Und Conchita?

Conchita übrigens zog irgendwann im Frühjahr wieder ins Freie. Für die Gastfreundschaft bedankte sie sich auf ihre Art: Sie wob ein wunderschönes Netz vor dem Küchenfenster. Sah man über die paar eingesponnenen Insektenleichen hinweg, war es wirklich ein anrührendes Meisterwerk. 

 

Und wer noch nie einen Pfauenspinnenmann hat tanzen sehen... bitte sehr:

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