Es druckt 

 

Als ich vor vielen Jahren einen Drucker in Betrieb nehmen wollte, fragte ich einen Bekannten, der Informatik studierte, ob er mir dabei helfen könne. Für eine Flasche Bier, oder deren Zwei, war dieser zu allem bereit. Und so dokterte er an Computer und Drucker herum. Treiber hier, Programm da, schliesslich schraubte er den halben Computer auseinander. Nach drei Stunden steckten wir dann auch mal das Stromkabel ein - et voilà, der Drucker lief. 

Lange hatte ich mich nun darum gedrückt, einen neuen Drucker anzuschaffen, ich hab’s nicht so mit der Technik….Aber irgendwann musste das wohl sein, fand Mann. Also kaufte ich einen. Den grössten (für Mann) und benutzerfreundlichsten (für mich). 

Seitdem steht das Ding hier herum und langweilt sich. Die Katzen sitzen gerne auf ihm. Aber wenn er tatsächlich einmal etwas arbeiten soll, für Kost und Logis, wird er zur Diva. Kaum angeschaltet, verlangt er nach Tinte, so wie einst mein Informatikfreund nach Bier. Und zwar immer. Egal, wie niegelnagelneu die Tintenpatronen sind, mein Drucker braucht immer frische. Ein chronischer Säufer sozusagen. 

Hat er dann schliesslich einen Druckauftrag gnädigst entgegengenommen, mauschelt er vor sich hin. Minutenlang macht er rrrrrrrrr, rrrrrrrrr und wieder rrrrrrrr. Dann kommt er zu dem Schluss, dass er heute keinen Bock hat, und macht gar nichts mehr. Meist fängt er an, zu blinken. Das ist seine Art, mit mir zu kommunizieren. Je nach Wehwehchen blinkt er bis zu zwanzigmal. Ergo sitze ich vor dem stummen Ungetüm und zähle Blinkzeichen, hilflos und verzweifelt wie eine Schiffbrüchige im Nebel. Fünf Blinkzeichen z. B. bedeuten, dass ein gewisser Winkelhebel nicht richtig geschlossen ist. Mir persönlich ist kein Winkelhebel bekannt, und ich habe ihn auch nicht eingeladen. Zwanzigmal Blinken heisst: Es ist ein Fehler aufgetreten. Das wäre mir, während ich so vor dem Drucker sitze und darauf warte, dass er druckt, gar nicht in den Sinn gekommen. Viermal blinken bedeutet, dass der Drucker eventuell Tinte brauchen könnte fürs Drucken. Er ist da jedenfalls sehr kreativ und weiss, mich zu beschäftigen.

Vor ein paar Tagen aber brauchte ich ihn wirklich. Dringend. Rrrrrrrrr, rrrrrrrrr, rrrrrrrr. Schweigen. Tritt in die Flanke. Rrrrrrrrr, rrrrrrrr, nichts. Da begann ich, mit ihm zu reden. 

„Mein lieber Freund“, sprach ich, „du hast die Wahl: Entweder du druckst mir jetzt anstandslos und subito meine Datei aus. Oder ich werfe dich jetzt aus dem Fenster, und versenke dich anschliessend sehr langsam im Hochofen, wo du mitsamt deinen Blinklämpchen qualvollst zerschmelzen wirst. Stück für Stück.“

Schweigen.

Rrrrrrr, rrrrrr, rrrrrrr. Zwei Minuten später hatte ich meine Zettel.